Inkasso ohne Mahnung geht nicht?

Inkasso ohne Mahnung geht nicht?

Inkasso ohne Mahnung
© Bernhard Ehlen - Selbstverlag

Bei weiten Teilen der Bevölkerung herrscht immer noch Unkenntnis über die Fälligkeit von Rechnungen, bzw. dem Umstand, wann man mit der Zahlung einer Rechnung im Verzug ist. Das mag einerseits daran liegen, dass mit Abstand die meisten Verbraucher ihre Rechnungen innerhalb der genannten Frist zahlen und in Folge dessen auch nicht in Verzug geraten. Es hat sich aber bei diversen Verbrauchern auch die gefährliche Unsitte eingeschlichen, jede Rechnung sowieso erst nach der dritten Mahnung zu zahlen.

Zahlungsausfälle bei KMU

Der Gesetzgeber hat vor einigen Jahren das Schuldrecht reformiert. Unter anderem wurde damit auch die Zahlungsmoral vieler Verbraucher in das Gesetz aufgenommen. Einzelne Unternehmen konnten durch säumige Schuldner so stark geschädigt werden, dass diese existenziell bedroht waren und im schlimmsten Fall sogar in die Insolvenz rutschen konnten. Das übliche Vorgehen gegenüber säumigen Schuldnern, lag vor der Einführung der Schuldrechtsreform bei vielen Unternehmen meist darin, drei Mahnungen absetzen zu müssen, was heutzutage schlichtweg existenzbedrohend ist. Aus diesem Grund entstand sehr schnell die Überzeugung, dass speziell die Klein- und die Kleinstunternehmer geschützt werden müssen, damit deren Existenz nicht durch einige wenige Zahlungsverweigerer bedroht wird.

§ 286 BGB – Verzug des Schuldners

Liest man sich nur den Einleitungssatz des § 286 BGB durch, so könnte man zu dem Schluss gelangen, dass es nach wie vor einer Mahnung bedarf, um einen Schuldner in Verzug zu setzen. Die Einschränkungen, bzw. erweiterten Rechte der Gläubiger ergeben sich erst aus dem weiteren Gesetzestext. „Wenn für die Leistung eine Zeit nach dem Kalender bestimmt ist!“

Jede Rechnung, die ein Zahldatum enthält, welches sich nach einem festen Kalenderdatum ergibt, setzt den Schuldner automatisch mit Ablauf des genannten Datums in Zahlungsverzug.

Welchen Sinn hat die Feststellung des Zahlungsverzuges?

Nicht wenige Verbraucher überweisen Rechnungen erst zum Tag der Fälligkeit. Das ist grundsätzlich nicht verkehrt und hatte in Zeiten höherer Zinsen auch durchaus eine stärkere wirtschaftliche Funktion. Die heutigen Zahlungsfristen dienen in der Regel dazu, dass der Verbraucher, bzw. Schuldner mit der Zahlung der Rechnung warten kann, bis ihm Zahlungen aus anderen Quellen (z.B. Löhne) zugehen.

Da auch der Unternehmer Rechnungen (und natürlich auch Löhne) zahlen muss, ist es ein betriebswirtschaftliches Erfordernis, Forderungen mit einem Zahlungsziel zu versehen. Mahnungen, Zahlungserinnerungen und auch Mahntelefonate haben jedoch vor Ablauf des gesetzten Zahlungsziels keinen Sinn.

Kostenfaktor Zahlungsverzug

Viele Unternehmer haben in den letzten Jahren ihr Forderungsmanagement dahingehend professionalisiert, dass mit Ablauf des Zahlungszieles nur noch eine Zahlungserinnerung mit einem weiteren kürzeren Zahlungsziel an den Kunden geschickt wird. Wenn auch zu dem neuen gesetzten Termin keine Zahlung durch den Schuldner erfolgt, wird ohne weitere Mahnung die Forderung zum Inkasso an einen Inkassounternehmer übergeben.

Related Posts