Was ist Inkasso

Im Allgemeinen versteht man unter Inkasso die gewerbsmäßige Beitreibung, bzw. Einziehung von Forderungen. Dies können offene Rechnungen sein, sind aber oft auch bereits titulierte Forderungen oder Mietausfälle oder Zahlungsversprechen aus Darlehen. Sofern es sich um gewerbliche Forderungen handelt, dreht sich das Inkasso um die sogenannte Debitorenbuchhaltung und dort im speziellen um das Mahnwesen. Wenn Unternehmer das Inkasso auslagern, werden die Forderungen von spezialisierten Rechtsdienstleistern, wie Inkassounternehmen oder Rechtsanwälten zur Beitreibung übernommen. Die Beauftragung erfolgt in der Regel durch eine Inkassovereinbarung (Inkassoauftrag) oder eine Honorarvereinbarung, wenn es sich bei dem Rechtsdienstleister um einen Rechtsanwalt handelt.

Das Mahnwesen in spezialisierte Hände abgeben!

Wenn Unternehmen die Auslagerung des Mahnwesens durchsetzen, hängt dies in der Regel mit dem Wunsch zusammen, die eigenen Kosten für die Beitreibung fälliger Forderungen zu verringern. Während der Unternehmer gleichzeitig Personal von der Beitreibung fälliger Forderungen abziehen kann, nutzt er die Kompetenz spezialisierter Rechtsdienstleister, um die Zahlungsausfälle oder die Zahlungsverzögerungen bei den zahlungsgestörten Forderungen zu verringern. Die Martkteilnehmer, die keine Verbraucher sind, verschaffen sich einen enormen Wettbewerbsvorteil, indem sie kein eigenes Personal mehr für das Mahnwesen vorhalten müssen. Dies folgt dem aktuellen Trend der KMU, Fixkosten gegen variable Kosten auszutauschen. Zudem ist es für die beauftragten Rechtsdienstleister grundsätzlich wesentlich leichter mit den Schuldnern über die offenen Forderungen zu sprechen, als dies im Unternehmen selbst die einzelnen Mitarbeiter können. Die meisten Inkassounternehmen haben Ihre Mitarbeiter für das telefonische Inkasso in mediativen (vermittelnden) Verfahren geschult. Schließlich geht es darum, mit dem Schuldner gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Das geht nur, wenn der Schuldner mit seinen Problemen ernst genommen wird und beide Parteien aufeinander zugehen. Deeskalation und Mediation sind dabei keine hohlen Floskeln, sondern sind maßgeblich für einen Verhandlungserfolg, der es dem Schuldner wieder erlaubt, am Geschäftsleben teilzunehmen.

Mediatives Inkasso: verbindlich, vermittelnd, vernünftig!

Dass Schuldner nicht zahlen, ist oft auch ein psychologisches Problem. Ware bestellt, Leistung erhalten, aber nicht zahlen können. Menschen ticken in der Regel nicht so. In dem Moment der Leistungsentgegennahme haben die meisten Menschen tatsächlich die Absicht diese auch zu bezahlen. Dafür fällt es vielen Schuldnern umso schwerer, über ihre Zahlungsschwierigkeiten zu sprechen oder um einen Zahlungsaufschub oder eine Ratenzahlung zu bitten. Es ist ein Thema, welches von vielen Schuldnern ungern angesprochen wird. Die meisten Inkassounternehmen können geradezu Bücher darüber schreiben, dass Schuldner ihnen gegenüber plötzlich ganz anders über die Möglichkeiten sprechen können, die Schulden zu tilgen. Während das Gespräch mit dem Gläubiger auf die unangenehme Schiene kommen könnte, dass der Schuldner doch hätte wissen müssen, nicht bezahlen zu können, ist das Gespräch mit dem Mitarbeiter des Inkassounternehmens viel einfacher. Das Kind ist in den Brunnen gefallen, die Initiative geht vom Inkassomitarbeiter aus und der Schuldner wird nicht mit der vielleicht peinlichen Situation konfrontiert, dem Gläubiger in die Augen sehen zu müssen. Das Telefoninkasso, bzw. die entsprechend geschulten Mitarbeiter der einschlägigen Inkassounternehmen sind speziell darauf geschult, die Situation nicht eskalieren zu lassen. Keine Partei ist daran interessiert, die Forderung vor Gericht zu bringen. Es soll unter vernünftigen Konditionen ein Konsens zwischen den Ansprüchen des Gläubigers und den finanziellen Möglichkeiten des Schuldners hergestellt werden. Dies ist nicht immer möglich, aber die Inkassounternehmen haben ein besonderes Interesse daran, jedwede Forderung außergerichtlich zu halten. Die meisten Inkassounternehmen verdienen an einem Inkassofall erst, wenn Zahlungsströme generiert werden. Wenn eine Forderung erst vor Gericht ausgefochten werden muss, zieht eine Menge Zeit ins Land und der Ausgang vieler Verfahren, die vor Gericht entschieden werden müssen, ist ungewiss.

BFIF – seriös und lizenziert Inkassodienstleistungen erbringen

Die erstmalige Übergabe einer offenen Forderung an einen Inkassodienstleister stellt für viele Gläubiger eine immense Hürde dar. Viel Schlechtes wird geschrieben, viele Halbwahrheiten sind im Umlauf und manche Gläubiger verzichten lieber auf die Beitreibung einer berechtigten Forderung, als einem Inkassobüro einen Inkassoauftrag zu erteilen. Eine wichtige Institution, um sich über die Seriosität eines Inkassounternehmens zu informieren ist der Bundesverband für Inkasso und Forderungsmanagement e.V., kurz BFIF. Die Kontrolle der einzelnen Mitglieder und das Leitbild, dem sich auch alle Mitgliedsunternehmen verschrieben haben, sorgt für seriöse Inkassodienstleistungen. Der Vorstand des BFIF verpflichtet alle Mitglieder zur gewissenhaften Einhaltung der Berufsregeln und hat zudem Sanktionsmöglichkeiten für Mitglieder, die sich der strengen Kontrolle des Verbandes entziehen wollen.

Wann wird ein Inkasso eingeschaltet?

Nichts ist so alt, wie die Zeitung von gestern. Dieses Sprichwort lässt sich auch auf unsere Konsumindustrie übertragen. Heute gekauft, morgen bereut. Aber, nichtsdestotrotz will der Händler, der Dienstleister oder der Handwerker für seine Leistung bezahlt werden. Und das natürlich zu Recht. Wenn der Schuldner jedoch gesetzte Zahlungsfristen ignoriert und von dem Grundsatz: „Geld hat man zu haben!“ abweicht, bleiben dem Gläubiger oft nicht mehr viele Möglichkeiten an seine Bezahlung zu gelangen. Frühestens mit Zahlungsverzug werden heute Forderungen übergeben ans Inkasso übergeben. Wobei es mit Erhalt der Forderungsdaten auch die Aufgabe des Inkassounternehmers ist, nochmals zu prüfen, ob tatsächlich ein Zahlungsverzug vorliegt. Die bloße Nennung einer Frist, ist oft nicht ausreichend, den Schuldner in Zahlungsverzug zu setzen, wenn kein festes Datum genannt wird. Sobald der Zugang der Rechnung nachgewiesen werden kann, gehen die meisten Inkassounternehmen deshalb von der gesetzlichen Regelung zum Zahlungsverzug aus, und unterstellen eine Zahlungsfrist von 30 Tagen. Hat das Inkassounternehmen für einen übernommenen Auftrag zweifelsfrei den Zahlungsverzug festgestellt, wird der Schuldner schriftlich über die Beauftragung des Inkassodienstleisters mit dem Einzug der Forderung informiert. Gleichzeitig werden Unterlagen zu der Forderung an sich und eine Aufklärung zum Umgang mit den persönlichen Daten des Schuldners übermittelt. Mit diesen Unterlagen ist grundsätzlich jeder Schuldner in der Lage, zu erkennen, ob es sich um eine berechtigte Forderung handelt. Da jedes seriöse Inkassounternehmen außerdem die Kontaktmöglichkeiten über Telefon, E-Mail und Büroadresse aufführt, ist es für den Schuldner ein leichtes im Zweifel durch einen kurzen Anruf weitere Informationen zu der mutmaßlichen Forderung zu erhalten.

Inkassogebühren – notwendige Kosten?

Die gesetzlichen Vorschriften für Inkassounternehmen unterscheiden sich nicht gravierend von den Pflichten eines Rechtsanwaltes, wenn es um die Prüfung einer berechtigten Forderung geht. Beide Rechtsdienstleister müssen im Rahmen ihrer Beauftragung sicherstellen, dass offensichtlich unberechtigte Forderungen nicht verfolgt werden. Es ist nicht damit getan, dem Auftraggeber blind zu glauben. Jeder Inkassounternehmer verwendet einen großen Teil seines Arbeitseinsatzes mit der Schlüssigkeitsprüfung der übermittelten Forderungen. Nur so ist sichergestellt, dass der Schuldner nicht mit unberechtigten Ansprüchen konfrontiert wird und vielleicht nur aus Angst vor diffusen Konsequenzen Zahlungen auf eine Forderung leistet, die tatsächlich gar nicht besteht. Was die Inkassogebühren angeht, so wurden diese durch Anlehnung an die Vergütungsordnung für die Rechtsanwälte, das RVG, gedeckelt. Was die Kosten für das gerichtliche Mahnverfahren angeht, ist es sogar grundsätzlich günstiger hierfür einen Inkassodienstleister zu beauftragen, als einen Rechtsanwalt. Die erstattungsfähigen Gebühren für das gerichtliche Mahnverfahren durch einen Inkassodienstleister liegen bei 25 € (inklusive der jeweils gültigen gesetzlichen Umsatzsteuer).

Wer darf Inkasso machen?

Inkasso ist ein gesetzlich geschützter Begriff. Im Firmennamen oder in Werbeunterlagen darf deshalb nur das Unternehmen damit werben, welches die gesetzlich vorgeschriebene Erlaubnis besitzt. Die Voraussetzungen für die Erteilung sind im Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG) geregelt und gelten in der aktuellen Fassung seit dem 01.07.2008. Sei diesem Datum ist es Inkassounternehmen außerdem erlaubt, das vollständige gerichtliche Mahnverfahren durchzuführen, also Mahn- und Vollstreckungsbescheide zu beantragen und die gesamte Palette der Vollstreckungsmaßnahmen durchzuführen, bis auf die Immobiliarvollstreckung.

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